Moßmann, Biermann, Degenhardt

Neue Platter der großen drei

[...]Das achtteilige Requiem kontrastiert ironische Strophen über den deutschen Spießer-Sonntag mit einem poetischen Prosa-Text, den Moßmann trocken, leiden- schaftslos und gerade deshalb ungeheuer wirksam spricht und der in ein Lied von Daniel Viglietti mündet. Zu dem Text hat Heiner Goebbels, seine jüngsten Versuche fortführend, eine Collage erfunden, in der Geräusche gleichwertig neben Komposition im traditionellen Sinn stehen. Diese nachgelieferte „Musik“, die auch mit Zitaten arbeitet und vor Effekten nicht zurückschreckt, tritt mit Moßmanns Text in den ialog. Hier ist ein Kollektivwerk zweier Künstler entstanden, das die Unterschiede er Individualitäten nicht zudeckt, sondern thematisiert. Kein wohliges Gruppengefühl, sondern die Produktivität von Rede und Gegenrede, von Satz und Widerspruch von dialektischem Progreß kennzeichnet das „Unruhige Requiem“, das wohl einmal zu den Klassikern politischer Kunst in Deutschland gehören wird.[...]

Thomas Rothschild
Frankfurter Rundschau (DE), 1 January 1983