"Die Befreiung des Prometheus" ein Hörstück

Am Radio gehört

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Heiner Goebbels künstlerischer Wagemut, der «Die Befreiung des Prometheus» zu einem faszmlerenden, den Hörer in seinen Bann schla— genden Hörstück macht, besteht darin, die Monstrosität, die dem Schicksal des Prometheus anhaftet, in keinem Moment zu verharmlosen durch ihre Überführung in eine geschlossene Form. Das äusserst subtil rhythmisierte und montierte Geräusch- und Klangmaterial, das Goebbels verwendet -- menschliche, tierische und vor allem elektronisch erzeugte Laute, aber auch eine Fülle von vorgefundenen musikali- schen Versatzstücken -—, überlagert sich gegen- seitig, franst aus, wird zitatartig wieder aufge— nommen und entspricht darin der offenen Struktur der ineinander übergehenden neun «Bilder», in denen Goebbels auch‘auf zusa“tzl- cihe Texte Müllers zurückgreift. Auf die Ge- schichte eines Mannes in einem Fahrstuhl etwa, der «einen Termin beim Chef» hat, nervös, schwitzend der Begegnung harrt und plötzlich entsetzt feststellt, wie die Zeit rasend schnell vergeht, während er im Fahrstuhl festsitzt. Als er aussteigt, befindet er sich auf einer Dorf- w strasse in Peru, und bald befällt ihn «Heimweh nach dem Fahrstuhl, der mein Gefängnis war».
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Badische Neueste Nachrichten (DE), 4 October 1986