Der neue Mensch ist der alte Krieger

Heiner Goebbels zieht eine dunkle Bilanz von der Geschichte Europas

"Es gibt keinen roten Faden in dieser Performance, die mit vielen Requisiten, mit grossem Getöse und dem Willen zur Verrätselung spielt. Als würde hier mit unnütz gewordenen Versatzstücken aus einer Vergangenheit hantiert, mit der man nichts mehr anzufangen weiss.
Um von diesem Unding der Historie zu erzählen, schafft Heiner Goebbels immer neue, faszinierende Räume aus Licht und Rauch, öffnet gar den Höllenschlund, spielt Theater mit ausrangierten alten Prospekten, lässt Denkmalsoockel ohne Helden in der öden Einsamkeit stehen, kreiert das Chaos stilvoll zu einem krächzenden, trommelnden, fiependen, unerbittlichen Soundmix."..."Und so gibt es bei der Premiere in die Stille des letzten Bildes hinein gleich ein kräftig gebrülltes «Buh» für den Versuch, dem Schrecklichen mit einer Ästhetik der Verwirrung und Irritation zu begegnen. Gleichwohl erschliesst sich so etwas wie ein Sinn in der Gesamtheit dieser Collage, in der nicht linear erzählt werden kann angesichts der Bocksprünge der Vergangenheit: Die Versprechen an die Zukunft haben sich als hohl erwiesen, gekümmert hat dies keinen."

Bernd Noack
Neue Zürcher Zeitung (CH), 28 August 2019