Die Suche nach Engeln endet bei der Materialausgabe

Neues aus Frankfurt, Kolossales aus Sankt Petersburg und Zwittriges aus China beim Lincoln Center Festival

(...) Und Heiner Goebbels gastierte. Er und das Ensemble Modern, das schon für den Frankfurt "Macbeth" im Orchestergraben saß, stellte einen Komponisten vor, der zwar an der New Yorker New School for Social Research hat lehren und in Hollywood Filmmusiken schreiben dürfen, doch wegen unamerikanischer Umtriebe aus dem Land gejagt worden war und seitdem als Exot zu gelten hat: Hanns Eisler. Das "Eislermaterial" von Goebbels, eine Hommage, rief nun, wie die "New York Times" selbst begeistert berichtete, "ekstatische Reaktionen" hervor. Zuvor hatte das Blatt für die Titelgeschichte seines "Weekend"-Teils aus dem Hausarchiv ein Foto hervorgekramt, das einen grimmig blickenden Eisler zeigt, wie der mit seiner Frau Louise die Maschine nach Wien besteigt, vom Exil ins Exil. Das Bild nahm mehr als die halbe Zeitungsseite ein. Es sollte die Leser womöglich nicht nuir an einen vergessenen Komponisten erinnern.
(Jordan Mejias)

Jordan Mejias
Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE), 11 August 2003